Am 12. Dezember durfte ich mit einer Gruppe von 16 Personen unter der Leitung von Hanspeter Lehmann, AVC (Aktion für verfolgte Christen und Notleidende), nach Chişinău, der Hauptstadt von Moldawien, fliegen.
Wir wurden von Mitarbeitern einer Kirchgemeinde herzlich empfangen und ins Sarepta Center nach Sarata-Galbena gebracht, eine gute Fahrstunde weg von Chişinău. Hier logierten wir in einem neu errichteten Freizeitzentrum für Kinder und Jugendliche, welche da Sommerlager erleben dürfen. Wir wurden fein verpflegt im privaten Restaurant des Gemeindeleiters Viktor und erfuhren die Geschichte, wie es zur Gemeindegründung, dem Aufbau des Alters- und Behindertenheim, der Schule und der Bäckerei des Sarepta Centers kam. Wir staunen zu hören, dass hier unter der Woche 800 Brote gratis an Bedürftige abgegeben werden, Schüler ein After-School-Programm erhalten und für sie Sanitäranlagen zur Verfügung stehen.
Tags darauf gings los in kleinen Bussen, vollbeladen mit den via Camion angelieferten Weihnachtspaketen. Der Fahrer und ein Pastor übernahmen die Führung und so holperten wir über die schlammigen Quartierstrassen zu den Familien, die so wohnen, wie wir es aus alten Heimatfilmen kennen. Ihre kleinen Einfamilienhäuser bestehen aus 2-3 Räumen, ohne Badezimmer, die Küche meist in einem offenen Anbau. Geheizt wird mit Holz, oft nur ein Raum, der zum Wohnen und Schlafen dient. Um keine Wärme zu verlieren, werden die Fenster verrammelt.
Wasser holen sie aus den Ziehbrunnen in den Strassen. Um die Grundstücke herum ziehen sich Zäune und dünne, gelb gestrichene Gasleitungen. Hinter jedem Zaun wird man von einem angeketteten Hund begrüsst. Obwohl es für die Tiere unschön ist, an kurzen Ketten zu liegen, sind wir froh, unbehelligt an ihnen vorbei über den Pfad zur Haustüre zu gelangen. Die Bewohner, meist kinderreiche Familien und ältere Menschen, kamen nach draussen, luden uns aber auch oft ein, sie im Haus zu besuchen. Nicht wenige boten uns einen Tee oder Saft an, den sie im Sommer aus Beeren, Zucker und Wasser in grossen Gläsern eingemacht haben. Sie freuten sich sehr über die Weihnachtspakete und die zusätzlich mitgebrachten Socken, Schals, Mützen, Schoggi etc. Unsere Begleiter übersetzten unser Englisch in Rumänisch oder Russisch. Wir erklärten den staunenden Menschen, woher wir und die Geschenke kommen und dass auch in der Schweiz viele Leute an sie denken würden. Im Anschluss durften wir sie jeweils nach ihren Gebetsanliegen fragen und für sie beten. Obwohl es ihnen an allem zu fehlen scheint, war ihnen die Gesundheit und das Gottvertrauen am wichtigsten.
Mein Koffer fasst nur noch ein paar wenige persönlich Dinge, als ich ihn in den Wagen hebe, der mich nach fünf Tagen wieder zum Flughafen bringt. Dafür ist das Herz voll mit Geschichten und Eindrücken. Die leuchtenden Augen, die Herzlichkeit, Dankbarkeit und die grossartige Gastfreundschaft dieser Menschen lernen mich Demut. Ob ich nächstes Jahr wieder hinreise, weiss ich noch nicht. Päckli aber, werde ich bestimmt machen. Ein grosses Merci allen, die sich in der Sache investiert haben! Ihr tragt mit, dass der Alltag der Ärmsten etwas besser wird.
Francisca Marthaler, Kirchgemeinderätin / Diakonische Arbeit im KUW und Senioren
Weiterführende Infos zum
» AVC (Aktion für verfolgte Christen und Notleidende)